Hedge Fonds erleben eine echte Schockwelle
16.Dezember 2008
Der ehemalige Nasdaq-Chef Bernard Madoff hat über viele Jahre seinen Fonds mittels Schneeballsystem finanziert – und damit insgesamt rund 50 Milliarden Dollar verspielt. In der Finanzwelt spricht man schon von einem Fonds-Tsunami, was die Folgen dieses Handels betrifft.
War das Business von Madoff zunächst eine kleine Angelegenheit, die er mit 5.000 Dollar begann – erarbeitet durch Ferienjobs als Bademeister. Damit gründete er im Jahr 1960 die Investment-Broker-Firma Bernard L. Madoff Investement Securities LLC. Zunächst waren es er und sein Bruder Peter, im Anschluss auch die Söhne Markt und Andrew sowie Peters Kinder Shana und Charles, die ins Unternehmen eintraten. Und letztlich zum Abschluss, waren es Madoffs Söhne, die ihn an die Messer lieferten.
Die Sorgen der Söhne begannen, als der Vater ihnen gestand, dass einer der Fonds-Anleger ca. sieben Milliarden Dollar relativ kurzfristig einlösen wolle und dass nun Mühen bestünden, die Mittel kurzfristig zu beschaffen. Kurz darauf jedoch erklärte Madoff, dass die Jahresboni für die Mitarbeiter schon zwei Monate früher als üblich ausbezahlt würden. Für die Söhne ein nicht nachvollziehbares Verhalten des Seniors. Zur Rede gestellt, brach der Vater schließlich zusammen und erklärte seinen Söhnen, dass nichts vom Geld mehr übrig sein, dass seine Anleger vertrauensvoll in Madoffs Hände gelegt hatten. Er nannte seine Strategie ein gigantisches Schneeballsystem – und von denen wissen wir ja, dass sie nicht gut enden können?
Die Summe, um die es im Fall Madoff geht, ist atemberaubend hoch: 50 Milliaren Dollar Verlust hat Madoff eingefahren. Er selbst wolle sich aber den Behörden stellen, wenn die restlichen Millionen an die Mitarbeiter, Verwandten und Freunde verteilt seien. Aber das FBI war schneller und holte Madoff vor der großzügigen Geldverteilung schon in seinem Apartment in Manhattan ab. Die Erklärung konnte Madoff für sein Verhalten nicht liefern. Er sagte schlicht, er habe die Anleger mit Geld bezahlt, dass es faktisch nicht gab und er sei definitiv pleite. Eine Gefängnisstrafe hält er für absolut sicher.
Auch wenn Madoff sich zur Zeit auf freiem Fuß befindet – gegen Kaution von zehn Millionen Dollar – wird er sich den Behörden ab dem 12. Januar zur Verhandlung stellen müssen. Und jetzt drohen 20 Jahre Haft, die noch einmal mit einer Geldstrafe in Höhe von fünf Milllionen Dollar Geldstrafe ergänzt werden.
Offenbar hat Madoff ganz allein die Verantwortung für die Geschehnisse. Aber für Außenstehende ist schon schwer nachvollziehbar, wie 50 Milliarden Dollar unbemerkt verschwinden können. Die Branche war schon länger erstaunt, dass Madoff konstante Wachstumsraten von 11 Prozent pro Jahr erreichen konnte – unabhängig von den Marktentwicklungen. Und schon im Jahr 1999 wurde die Börsenaufsicht durch einen Börsenfachmann informiert, dass Madoff Securities das größte Schneeballsystem der Welt sei.
Berater und andere Fonds wurden kurzfristig von den Erfolgen Madoffs angelockt. Allerdings ließen sie auch schnell die Finger von dem Geschäft, weil die Zahlen einfach zu gut um wahr zu sein schienen. Und irgendwie zeigt sich die Branche nun auch verwundert, dass keiner der Anleger überhaupt etwas gemerkt hat von diesen seltsamen Geschäften.
Selbst das wichtigste Warnsignal war wohl, dass Madoff trotz der zu verwaltenden 13 Milliarden Dollar nur eine kleine Buchhaltungsfirma als Wirtschaftsprüfer beauftragte – mit drei Mitarbeitern. Nicht möglich, dass ein so kleines Unternehmen diese Gelder verwalten kann.
Wie groß das Ausmaß dieses riesigen Skandals ist, das steht noch nicht fest. Klar ist aber offenbar, dass die Hedge Fonds einen Vertrauenseinbruch erleben müssen – Madoff sei Dank.
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