Politische Regulierung in den USA war riskantes Tabuthema
19.November 2008
Bisher war es in den USA so, dass die Regulierung in politischer Hinsicht gänzlich unerwünscht war. So konnten Trickser auf den Finanzmärkten der USA ihre Informationsvorteile weidlich ausschöpfen. Dabei waren Warnungen schon im Jahr 1998 ausgesprochen worden – nämlich von Brooksley Born, die zu dieser Zeit als Chefin der Derivate-Aufsicht CFTC ihre Aufgaben wahrnahm. Sie wies schon im Frühjahr des Jahres auf die Risiken aus Swaps, den Finanzkonstruktionen, die sehr komplex gestaltet sind und die Folgen hin. Diese gaben den Hedgefonds und Banken ein Netz in die Hand, das Wetten auf Bö4rsenkurse sowie Währungen und Zinsen möglich machte und dieses über die Kreditwürdigkeit der Schuldner auszubreiten. Borns wurde mit ihren Warnungen aber bereits in den Anfängen der Diskussion abgeblockt, denn es wurde hinterfragt, ob eine Notwendigkeit besteht, schnell expandierende Finanzmärkte zu regulieren. Sie musst sich dabei trotz inzwischen nachvollziehbarer Argumente gegen viele Gegner stellen, die dann durch den Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, den Finanzminister der Clinton-Ära, Rober Rubin – der übrigens heute Verwaltungsratschef der Citigroup ist – und auch den Chef der Börsenaufsicht, Arthur Levitt, gestellt wurden. Gegen den Druck der Gegner veröffentlichte Born ein Thesenpapier, das über die Risiken der Derivatemärkte mit ihren obskuren Möglichkeiten aufklärte – die Wall Street war schockiert, denn angeblich wurde durch die Veröffentlichung Borns die regulatorische Unsicherheit über den prosperierenden Markt gebracht. Die erste weltweite Finanzkrise folgte trotzdem bereits im September 1998, als auf den Finanzmärkten risikoreiche Wetten eingegangen wurde, die durch ein Vielfaches an Kapital auf Kredite eingegangen wurden. Auch hier wurde die Warnung Borns wieder in den Wind geschlagen, die nach ihrer Meinung von den Derivatenmärkten ausgehen und Gefahren für das weltweite Finanzsystem bergen. Aber auch jetzt – in der weltweiten Finanzkrise – blieben die Warnungen Borns fruchtlos. Veränderungen wurden nicht vorgenommen. Die wundersame Wirkung der Deregulierung war in Washington noch immer als Heilmittel bevorzugt. Der SEC-Chef William Donaldson, der eine stärkere Regulierung im Bereich Hedgefonds vorantreiben wollte, wurde dann in der Bush-Ära im Amt abgelöst. Aber war die Selbstregulierung vor dem Hintergrund der ersten Finanzkrise nicht doch ein unkontrollierbarer Irrglaube, der den Akteuren am Devisenmarkt die Einschätzung der Risiken selbst in die Hände legte? Teileinblicke in Derivate durch die US-Aufsichtsbehörden ließen Risiken viel zu spät deutlich werden – wird auch heutiger Sicht inmitten der nächsten Finanzkrise argumentiert. Verbriefter Schrott konnte ohne weitere Kontrollen weltweit an Investoren verkauft werden, da sich Investmentbanken durch ihre Lobbyarbeit der starken Kontrolle der SEC entziehen konnten. Dass Born heute bestätigt ist, hilft nur noch wenig in der aktuellen Situation. Der größte Versicherungskonzern weltweit, die AIG, ist diesen Fehlentscheidungen und dem Ignorieren von mehrfachen Warnungen nun bereits zum Opfer gefallen und auch andere Institutionen geraten ins Wanken und der Katzenjammer ist nun groß. Inzwischen ist auch der SEC-Chef Christopher Cox überzeugt, dass eine freiwillige Regulierung ein riskantes Spiel ist und die Folge der Erkenntnis ist eine Flut von vielen neuen Spielregeln in den Finanzmärkten – die schon vor zehn Jahren hätten durchgesetzt werden können.
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