Bringen sinkende Zinsen wirklich steigende Börsen?
17.Dezember 2008
Wieder einmal ist es soweit: Am Freitag wurden die absolut schlechten Konjunkturdaten verkündet, aber die Kurse der europäischen Börsen und der Börsen der Vereinigten Staaten steigen. Die Anleger wetten nämlich inzwischen schon auf deutlich spürbare Zinssenkungen und bauen ihr Geschäft genau auf dieser Erwartungshaltung auf.
Realistisch betrachtet haben die aggressiven Zinssenkungen der letzten Wochen aber nicht wirklich etwas bewirkt – und das, obwohl sich der Leitzins nun schon in greifbarem Nullbereich befindet.
In Japan liegt der Leitzins nun noch bei gerade 0,24 Prozent. In der Schweiz ist man inzwischen bei 0,5 Prozent angelangt und die Vereinigten Staaten haben sich derzeit auf ein Prozent eingependelt. Selbst Europa hat mit relativ hohem Zinsniveau von derzeit 2,5 Prozent aber inzwischen ein für hiesige Verhältnisse tiefes Niveau erreicht.
Leider gibt es aber bei allen Zinssenkungen ein großes Problem. Das liegt nämlich darin, dass tiefe Zinsen und üppige Geldversorgung nicht dort ankommt, wo sie hin soll – die Bonität ist einfach ziemlich angeschlagen.
Währenddessen wird auf den Märkten davon ausgegangen, dass die amerikanische Zentralbank weitere Zinssenkungen anstrebt und dann noch einmal Senkungen in den Bereich von 0,5 oder sogar 0,25 Prozent anpeilt. Wenn dann die sogenannten Zinslenkungsmunition ausgegangen ist, wird von Marktteilnehmer schon eine Alternative erwartet. Die könnte mit einer in den Geldkreislauf eingebrachten Liquidität einhergehen. Und die US-Zentralbank hat schon lange damit begonnen, die Commercial Papers ihrer Emittenten direkt anzukaufen.
Aber selbst die Kombination von tiefen Zinsen und üppiger Geldversorgung hat bisher wenig erreichen können, denn sie kommt einfach nicht an bei den Konsumenten und auch Unternehmen. Das Umfeld zu früheren Zeiten hat sich schlichtweg verändert. Durch die Offenlegung tatsächlicher Risiken einer zu hohen Verschuldung, die falsch kalibrierten Risikomanagement- und Vermögensverwaltungsmodelle und auch eine starke Synchronisierung der Weltwirtschaft sind inzwischen alle Wirtschaftsteilnehmer dazu gezwungen, die Bilanzen und Erwartungen gleichermaßen an realistische Fakten anzupassen. Und da heißt es schlicht und einfach: Die Bonität ist nicht mehr akzeptabel.
Auch wenn dies in erster Linie für die Vereinigten Staaten und angelsächsische Staaten gilt. Die benötigen dringend den Wechsel und müssen durch die Umstände gezwungen den Konsumgürtel jetzt enger schnallen. Sparen ist einfach angesagt. Auch wenn das für die Verbraucher in erster Linie zum tragen kommen, denn die haben sich in den letzten Jahren kaum mehr über Lohnzuwächse freuen dürfen. Aber die Wohlstandsillusion gab den Konsum trotzdem weiter als unproblematisch vor. Kreditkarten und Dispos wurden bis zum Limit strapaziert, weil weiterhin auf steigende Kurse an der Börse gewettet wurde.
Nicht nur die Konsumenten sind von der schlechten Bonität betroffen – auch den Staaten macht die inzwischen Schwierigkeiten. Und auch die Immobilienpreise sollten wieder stabile Zahlen erreichen. Und genau diese Wetten sind beide geplatzt. Schlimmer noch, sie wenden sich gegen die Verbraucher. Häuserpreise fallen, das Kreditkartenhaus stürzt ein und so wurden auch die Finanzunternehmen in den Abwärtsstrudel mit hineingezogen, ebenso die gesamte Realwirtschaft.
Die Häuserpreise fallen weiter und so können noch einmal 25 Prozent Verlust eingeplant werden. Auch die Baubeginne und auch die Genehmigungen für Neubauten haben inzwischen ihren tiefsten Stand erreicht. Alles schrumpft – nur schrumpft sich hier leider nichts gesund im Moment, denn die Arbeitslosigkeit steigt parallel bei steigender Bevölkerungszahl.
Die logische Folgerung: Wenn die Wirtschaft nicht wächst, dann können die Gewinne nicht ansteigen und somit auch nicht die Kurse der Börsen – trotz sinkender Zinssätze, oder?
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