Die Finanzkrise und der Freitaler Verein

26.Dezember 2008

Die Freiburger haben sich ein eigenes Mittel gegen die Finanzkrise ausgedacht, denn dort hat man sich überlegt, dass die Wirtschaft im eigenen Gebiet durch Regionalgelder in Schwung gebracht werden soll und man so ohne Zinsen oder Hinzuziehung von internationalen Firmen einen Weg zum Aufschwung gefunden hat.

So gründete sich kurzerhand ein Verein, der Freitaler-Verein. Man trifft sich im „Cafe Domino“ im Freiburger Stadtteil Oberlinden. Jens Mannheim, Verena Walter und Johannes Weiermann stehen dort und präsentieren die wie Geldscheine anmutenden „Freitaler“; die neue Währung im Freitaler Verein, die nun in feierlicher Runde präsentiert und den etwa 30 Freunden und Vereinsmitgliedern vorgestellt werden, damit diese die neuen Scheine dann auch kennen lernen und wissen, was sie zukünftig damit tun können.

Unter den Gästen zum Beispiel ein junger Mann mit Piercings und längeren Haaren, der meint, dass die Veränderung der Gesellschaft beim Geld anfangen muss. Nicht weit von ihm eine Dame der CDU, die den Freitaler gut für die kleineren Betriebe findet, die die Konkurrenz von der grünen Wiese fürchten. Ein älterer Mann meint dazu, dass die Finanzkrise eindeutig zeigt, dass das Finanzsystem, wie wir es bisher kannten, am Ende ist.

Es gibt bereits mehrere solcher „Alternativwährungen“, die zwar regional begrenzt, jedoch nicht ohne Erfolg sind. Sie orientieren sich mehr oder weniger an der Freigeld- Lehre des deutsch- argentinischen Kaufmanns Silvio Gesell. Beliebt und bekannt geworden hauptsächlich in christlichen und anthroposophischen Kreisen haben diese „Währungen“ auch bei den Linken und im unternehmerischen Mittelstand ihre Anhänger und bekommen nun, im Licht der Finanzkrise, auch aus anderen Bereichen mehr Anhänger und Aufmerksamkeit.

„Währung kommt von dem, was währt“ zitierte Johannes Weiermann, und fügt auch noch hinzu, „was währt, sind die realen Dinge“. So sieht es auch Verena Walter, denn sie findet den Freitaler „einfach realer und greifbarer als der Euro“. Da der Freitaler eine „handfeste“ Sache sei, würden durch ihn Kontakte geknüpft, fügt die Kauffrau hinzu, die eine Medien- und Entertainment Agentur betreibt. Weiermann ergänzt dazu, dass er Geld als eine Gemeinschaftsinstitution sieht. Da jedoch mittlerweile die Marktwirtschaft von Kapitalismus überwachsen sei, bräuchten wir neue Grenzen, denn meint er. Und so trägt der Freitaler- Verein auch den ganz treffenden Slogan: „Unsere Region, unsere Wirtschaft, unser Geld“.

Funktionieren soll es folgendermaßen: Man bekommt für 100 Euro 110 Freitaler. Diese kann man dann benutzen, um im Cafe zu bezahlen, die Elektrikerrechnung zu begleichen oder im Bioladen einzukaufen. Da der Preis real der des Freitalers entspricht, bekommt der Kunde also 10 % Rabatt bei den angeschlossenen Gewerbetreibenden. Und mittlerweile machen schon 28 Partner an diesem Projekt mit.

Will man jedoch seine Freitaler in Euro zurück tauschen, zahlt man 10 % Abschlag. Auf diese Weise soll die regionale Geldzirkulation unterstützt werden. „Internationale Firmen und Handelsketten, die das Geld von der Region weg in andere Länder oder Gebiete abfließen lassen, können mit dem Freitaler dann ja nichts anfangen“ sagt Walter, der die „regionale Identität“ zum Beispiel durch große Handelsketten in Gefahr gebracht sieht.

So setzt der Freitaler auf die Kundenbindung, fügt Jens Mannheim hinzu, der den Master zur „Gestaltung nachhaltiger Geldsysteme“ an der Gaia Fernuniversität gemacht hat. 

 

 

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