Rubel vor weiterer Abwertung
01.Januar 2009
Die Abwertungen des Rubels durch die russische Zentralbank wird allmählich zur Belastungsprobe für die russische Wirtschaft. Nicht nur, dass die Währungsreserven des größten Landes der Erde immer mehr sinken, Russland könnte sich auch schneller als erwartet dazu gezwungen sehen, den Rubel frei floaten zu lassen, als bisher geplant war.
Mit aller Macht versucht die russische Zentralbank durch die Abwertung den freien Fall der russischen Landeswährung abzubremsen. Ursprünglich wurde mit den Abwertungen das Ziel verfolgt, langsam und allmählich die Schwankungsbreite des Rubels gegenüber dem Dollar und dem Euro zu vergrößern. Doch die Strategie der Notenbanker ging nicht auf und die Abwertungsintervalle wurden immer kürzer. Am Anfang der laufenden Handelswoche kam es nun zur insgesamt zwölften Aberwertung seit Anfang November.
Die russische Währung hat von August bis zum Ende des Jahres etwa 20 Prozent ihres Wertes verloren. Im gleichen Zeitraum sind die Währungsreserven Russlands um 25 Prozent auf etwa 450 Milliarden Dollar geschrumpft. Einen Großteil der Reserven musste die Notenbank dazu aufwenden, um den Währungskurs des Rubels verteidigen zu können. Laut Aussagen von Forex-Experten und Ökonomen hätte Russland seine Reserven besser schonen können. Statt immer wieder kleinere Abwertungen vorzunehmen und damit ein Großteil der Währungsreserven zu verpulvern, hätte eine scharfe Abwertung des Rubels beim Einsetzen des Ölpreisverfalls genügt. Die Exporte von Öl und mit Öl verbundenen Produkten machen etwa 70 Prozent am gesamten russischen Außenhandel aus.
Russland könnte nun schneller als geplant eine frei floatende Währung sowie eine ausschließlich die Inflation bekämpfende Zentralbank bekommen. Insgesamt betrachtet ist dies zwar ein höchst ehrbares Ziel, doch der Weg, den Russland bis dahin genommen hat, war keinesfalls die beste Lösung. Inzwischen sind sich die Volkswirte einig, dass der Weg noch sehr schmerzhaft werden wird und die Wahrscheinlichkeit einer harten Landung der russischen Landswährung immer größer wird.
Die Regierung kann bislang nur ein einziges Argument gegen eine einmalige Abwertung des Rubels ins Feld führen. Der Kreml befürchtet einen ähnlich massiven Run auf die Banken wie 1998. In diesem Jahr musste die russische Regierung eingestehen, dass sie die Auslandsschulden des Landes nicht länger bedienen könne. Unter der Bevölkerung brach Panik aus und ein Run auf die Banken setzte ein. Fluchtartig zogen Sparer, Anleger und Investoren ihr Kapital von den Banken ab. In der Folge brach das Bankensystem und der russische Markt zusammen. Das Riesenreich rutschte in eine tiefe Rezession.
Heute allerdings haben sich die Vorzeichen geändert. Die Märkte sind auf ähnliche Szenarien besser vorbereitet als noch vor zehn Jahren. So gehen bereits viele Marktbeobachter seit längerer Zeit von einem Fall des Rubels aus. Auch die Wirtschaft hat sich entsprechend darauf eingestellt. Analysten gehen von einer weiteren Abwertung des Rubels von 20 Prozent aus. Erst dann wird sich die russische Währung wieder stabilisieren können. Unterdessen ist die größte Sorge der Russen die Bewertung ihrer Währung gegenüber der amerikanischen Landeswährung, obwohl der Rubel an einen Korb aus 45 Prozent Euro und 55 Prozent Dollar gekoppelt ist. Für die Russen zählen aber nicht globalen Forex-Märkte und die Vorgaben der Zentralbank. Für den russischen Bürger zählen nur die kleinen Wechselstuben auf den Straßen. Und dort zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab: Seit dem Sommer hat hier der Dollar gegenüber dem Rubel fast 25 Prozent an Wert verloren.
Bisher jedenfalls konnte sich die Zentralbank von Russland zu keinem einmaligen aber scharfen Abwertungsschritt durchringen, obwohl dies dringend nötig wäre, um nicht zuletzt die russischen Währungsreserven zu schonen. Gründe für das zögerliche Verhalten lassen sich nur schwer finden. Wahrscheinlich liegt es wohl am russischen Premierminister Wladimir Putin, der sich gegen einen solchen massiven aber nötigen Schritt ausgesprochen hat. Doch auch hier lassen sich die Gründe für die Ablehnung nur schwer nachvollziehen. Am wahrscheinlichst ist, dass sie wohl eher psychologisch als ökonomischer Natur sind. In den russischen Boomjahren war Wladimir Putin Staatspräsident und macht sich persönlich für den konjunkturellen Boom seiner Amtszeit verantwortlich. Nun steht Russland vor einer schweren und langen Rezession. Diese Rezession und die Abwertung des Rubels werden Russland mittelfristig wieder ärmer machen. Doch genau das könnte dazu führen, dass die Bevölkerung erkennt, dass der Wohlstand der Putin-Jahre nur den explodierenden Ölpreisen zu verdanken ist und nichts und niemanden anderem.
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