Hedge Fonds waren beim Madoff Skandal wohl zu fahrlässig beim Handel
03.Januar 2009
Viele Dach-Hedge-Fonds werden wohl vor dem Hintergrund des Madoff-Skandals noch einen deutlichen Kapitalabfluss erleben und vielleicht sogar von Schließungen betroffen sein. Die Anleger sind enttäuscht und machen den Dachfonds den Vorwurf, versagt zu haben – eben jenen, die in der Vergangenheit in die Madoff-Hedge-Fonds investiert haben.
Auch wenn einige Einzelhändler in New York sarkastisch mit dem Madoff-Skandal werben und so zum Beispiel mit dem Schlagwort „Madoff-Ausverkauf“ werben, ist es insgesamt doch ein Skandal, der immer mehr Opfer fordert, die sich auch in den Hedge-Fonds befinden.
Durch den Riesenskandal, der nun aufgedeckt wurde, sehen einige Dachfondsmanager sogar schon den Todesstoß für die Hedge-Fonds-Branche, wie sie in heutiger Struktur besteht, ausgeführt. Ein großer Vorwurf liegt darin, dass Dach-Fonds bei der Prüfung der Madoff-Fonds und deren Strategien nicht die erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt haben. Und auch Madoff als Person ist wohl auch eher unzureichend geprüft worden. Der eigentlich in der Branche übliche Prozess der Prüfung und Kontrolle wird in der Branche als Due Dilligence bezeichnet und genau der hat im Falle Madoff wohl gründlich versagt.
Da sind es dann zum einen die wirklich enttäuschenden Anlageergebnisse und zum anderen der Skandal, der für die Hedge-Fonds in nächster Zeit noch reichlich Kündigungen mitbringen wird. Schon in der letzten Woche des Jahres haben zahlreiche Investoren ihr Kapital massiv abgezogen und den Fonds-Managern damit die Rote Karte gezeigt, die nun die Suppe auslöffeln müssen, die Madoff ihnen eingebrockt hat.
Die Folge der Kündigungen hat dann wiederum eine Liquidierung von Fonds-Positionen und große ingesamte Verwerfungen an den Kapitalmärkten mit sich gebracht. Diese Entwicklung wird im ersten Quartal des Jahres 2009 wohl anhalten, darin sind sich Fonds-Manager ziemlich einig.
Einige Fondsanbieter haben nun bereits reagiert und Maßnahmen eingeleitet, die keine Kündigungen und somit keine Kapitalrückflüsse mehr erlauben. Die Möglichkeiten der Kündigung wurden bei einigen Anbietern deutlich begrenzt. Dazu gehören zum Beispiel Cerberus Capital Management, Rab Capital, Harbinger Capital Partners, Pardus, Citadel und auch Blue Mountain, die jetzt vorbauen und Kündigungen reduzieren. Auch die GAM Hedge-Fonds, die zur Bank Julius Bär gehören, bieten den Investoren jetzt nur noch eine einmalige Kündigungsmöglichkeit pro Quartal und damit zum Kapitalabzug. Die Kündigungsmöglichkeit lag hier bisher monatlich. So soll einfach Liquiditätsengpässen vorgebaut und Notverkäufe von Portfolie-Bestandteilen verhindert werden.
Hedge-Fonds-Indizes, zum Beispiel der HFRX-Gesamtindex, sind seit dem Anfang des Jahres um rund 23 Prozent gefallen. Und die Hedge-Fonds, die diese Krise überstehen, müssen wohl ihre Strategie ändern und den Anlegern absolute Transparenz bieten.
Gegen ein Madoff-Investment hat sich der von der Quandt-Familie gegründete Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds schon vor längerer Zeit entschlossen. Die mangelhafte Transparenz von Madoff-Fonds war es, die zu dieser Entscheidung geführt hat – eine kluge Entscheidung, kann man rückblickend nur sagen.
Die Dynamik bei den Kündigungen wird in den nächsten Wochen wohl noch steigen, sind sich Experten fast ausnahmslos einig. Insgesamt hat das Image von Hedge-Fonds ganz einfach stark gelitten und negative Ereignisse bleiben eben lange im Gedächtnis haften – auch bei Investoren.
Fachleute gehen sogar davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten mehr als ein Drittel der bestehenden Hedge-Fonds vom Markt verschwinden werden.
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