Euroraum dehnt sich nach Osten aus
04.Januar 2009
Für die fünf Millionen Einwohner der Slowakei war es am 1. Januar 2009 soweit. Pünktlich zum zehnten Geburtstag der europäischen Gemeinschaftswährung, trat die Slowakei als 16. europäisches Land der Europäischen Währungsunion bei und vergrößerte so die Eurozone auf ein 329 Millionen Einwohnerumfassendes Gebiet. Allerdings ist die Einführung des Euros in dem kleinen Land nicht ganz unumstritten. Wie andere osteuropäische Länder und ehemalige Sowjetrepubliken kämpft auch die Slowakei mit einer ausufernden Inflation. Aus diesem Grund könnte die europäische Gemeinschaftswährung die Teuerungsrate in dem kleinen Land kräftig anheizen.
Anlässlich des Euro-Jubiläums gab sich der EU-Währungskommissar, Joaquin Almunia, optimistisch. Die europäische Gemeinschaftswährung ist in den vergangenen zehn Jahren zu einem Symbol für die europäische Gemeinschaft geworden und wirkt in den Teilnehmerländern maßgeblich Identitätsstiftend. Angesichts der dramatischen Entwicklungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit dem Sommer 2007, sind die Hoffnungen und das Vertrauen in den Euro kontinuierlich gewachsen. Er soll die Wirtschaft der europäischen Teilnahmeländer vor den schlimmsten Auswirkungen der Krise zu schützen. Ob er dieser Herausforderung gewachsen sein wird, wird das kommende Jahr zeigen. Der Beitritt der Slowakei zum europäischen Währungsraum wird jedoch als optimistischer und historischer Schritt für die europäische Gemeinschaftswährung bewertet.
Allerdings wird die Aufnahme der Slowakei in die Europäische Währungsunion nicht von allen so euphorisch betrachtet. Die Europäische Zentralbank hatte bereits im Mai 2008 eine Warnung ausgesprochen, dass nach der Einführung der Gemeinschaftswährung in der Slowakei die Inflation rasant steigen könnte. Bislang wurde die Teuerungsrate der kleinen Volkswirtschaft durch den sehr hohen Wechselkurs von Euro und slowakischer Krone begrenzt. Dadurch konnte die slowakische Wirtschaft Waren und Güter zu sehr guten Konditionen aus dem europäischen Ausland einführen. Die Zentralbanker warnten davor, dass dieser preisdämpfende Faktor nach der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung wegfallen wird.
Zur Zeit als die politische Entscheidung für die Aufnahme der Slowakei in die Europäische Währungsunion fiel, lag die slowakische Inflationsrate bei 2,2 Prozent. Damit erfüllte das Land die Aufnahmebedingung, da ihre Inflationsrate einen ganzen Prozentpunkt unter der zulässigen Höchstgrenze der Euro-Teilnahmeländer von damals 3,2 Prozent lag. Auch die weiteren formalen Kriterien konnte die Slowakei mit Bravour erfüllen. 2007 lag das Haushaltsdefizit bei 2,2 Prozent. Die Höchstgrenze für die Länder der Eurozone liegt bei drei Prozent, gemäß dem europäischen Stabilitätspakt. Auch die Verschuldungsrate von 29 Prozent liegt im Rahmen der Stabilitätsvereinbarungen. Nicht wenige zeichneten ein Bild vom Musterschüler Slowakei.
Mit dem 16. Mitgliedsland im europäischen Währungsraum scheint die Zeit der Expansion der europäischen Gemeinschaftswährung vorerst beendet zu sein. Von den 27 Mitgliedsstaaten gehören nun 16 der Währungsunion an. Von den restlichen elf Staaten hat bis auf Rumänien kein anderer Staat ein klares Beitrittsziel benannt. Rumänien will 2014 die heimische Währung abschaffen und die europäische Gemeinschaftswährung einführen. Nach dem Scheitern des Währungsbeitritts des baltischen Staates Litauens an der zu hohen nationalen Inflation, haben auch andere osteuropäische Staaten ihre Beitrittspläne vorerst auf Eis gelegt.
Eine entgegengesetzte Entwicklung scheint sich bei den bisher Euro-skeptischen Ländern abzuzeichnen. In Zeiten der globalen Krise hat sich die Euro als Stabilitäts- und Sicherheitsgarant für die europäische Wirtschaft erwiesen. Vor diesem Hintergrund steigerte sich allmählich wieder das Interesse der nordwesteuropäischen Länder an dem Euro. In Dänemark beispielsweise stieg laut einer Umfrage der dänischen Zentralbank die Zahl der Euro-Befürworter auf 44 Prozent. Nur noch 38 Prozent der Befragten äußerte sich entsprechend kritisch gegenüber dem Euro. Auch in anderen Ländern steigt die Zahl der Euro-Befürworter, wie etwa in Großbritannien oder Schweden. Von einer klaren Mehrheit kann aber in beiden Ländern noch keine Rede sein. Dennoch wird es als positives Zeichen gewertet, dass das Interesse an der europäischen Gemeinschaftswährung wieder deutlich gestiegen ist.
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