Ausblick auf das neue Jahr

05.Januar 2009

Prognosen auf zukünftige Ereignisse sind immer eine besonders schwierige Herausforderung. Vor allem wenn es sich um seriöse Zukunftstrends handelt, denen Anleger und Investoren folgen möchten bzw. als Grundlage für ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen. Im Forex-Handel sind solche Vorhersagen auch ohne Finanz- und Wirtschaftskrise besonders schwierig. So kam es, dass 2008 kaum ein Experte, Analyst oder Ökonom den Rekordwert der europäischen Gemeinschaftswährung von 1,60 Dollar voraussagen konnte. Ebenso wenig konnte der Absturz des Euros im Herbst auf 1,23 Dollar vorhergesagt werden. Vom Höhepunkt der Euro-Rally am Ende des Jahres ganz zu schweigen.

Durchschnittlich hatte der Euro 2008 einen Wert von 1,47 Dollar. Die europäische Gemeinschaftswährung war damit so stark wie noch nie zuvor in ihrer kurzen Geschichte. 2007 kostete der Euro im Jahresdurchschnitt 1,37 Dollar. Basierend auf diesem Ergebnis hatten nicht wenige Marktbeobachter ein Comeback des Dollars für 2008 erwartet. Und auch für 2009 halten weiterhin viele Analysten an dieser Einschätzung fest. Sie gehen für das erste Quartal von einem sinkenden Wechselkurs aus, der den Dollar begünstigen wird. Anderer Analysten aber sagen, dass sich bis zum Ende der ersten Jahreshälfte kaum signifikante Kursunterschiede zwischen Euro und Dollar beobachten lassen werden. Von einem radikalen Trendwechsel gehen sie nicht aus.

Fasst man die unterschiedlichen Ansichten und Prognosen zusammen, wird sich die europäische Gemeinschaftswährung in den ersten Monaten des Jahres 2009 durchschnittlich in einer Spanne zwischen 1,30 und 1,40 Dollar bewegen. Diese Annahme gilt bei den meisten Analysten als angemessen, da sie die unterschiedlichen Leitzinsen in Europa und den Vereinigten Staaten berücksichtigt. Nach der Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve auf faktisch null Prozent, wird für 2009 nicht mit einer Anhebung des Niveaus gerechnet. Die Europäische Zentralbank musste 2008 ihren Leitzins auf 2,50 Prozent senken. Es gilt als nahezu ausgeschlossen, dass sie ebenfalls eine Null-Zins-Politik wie ihr Pendant in den USA betreiben wird. Eine weitere Reduktion des europäischen Leitzinses wird allerdings nicht ausgeschlossen. Eine Senkung auf ein Niveau zwischen 1,00 und 1,50 Prozent wird daher als realistisch betrachtet.

Unterschiedliche Aussagen für die zweite Jahreshälfte

Betrachtet man sich die unterschiedlichen Prognosen für die zweite Jahreshälfte, fällt ein weites Auseinanderdriften der Vorhersagen auf. Große Bankhäuser wie etwa die Commerzbank rechnen mit einem starken Dollar. Die Banken gehen für die zweite Jahreshälfte von einem Trendwechsel aus, der den Euro bis auf 1,12 Dollar drücken könnte. Gründe sehen die Analysten der Bank darin, dass sie mit einem Ende der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzkrise rechnen. Dadurch werden nach Ansicht der Experten auch die Zinsen wieder kräftig und vor allem langfristig steigen. Insbesondere die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen könnten in der zweiten Jahreshälfte wieder auf 3,5 Prozent Zinsen klettern. Derzeit werfen sie bei einer Laufzeit von zehn Jahren nur knapp zwei Prozent Rendite ab.

Ein gänzliches anderes Szenario entwickelte etwa die HSH Nordbank. Sie rechnet mit einem weiteren Kursanstieg des Euros auf  bis zu 1,50 Dollar. Die Analysten des Hauses gehen von einer langfristigen Schwächung der amerikanischen Landeswährung aus. Vor allem asiatische Länder haben bisher massiv amerikanische Staatsanleihen gekauft. Nachdem aber die Finanz- und Wirtschaftskrise auch den asiatischen Wirtschaftsraum erfasst hat, benötigen viele Länder ihre Devisenreserven um die eigene Wirtschaft anzukurbeln und investieren daher lieber in nationale Konjunkturprogramme. Bisher profitierte die amerikanische Leistungsdefizitbilanz von den Investitionen des Auslands in den amerikanischen Staat. Fallen diese Anlagen weg, bliebe den Amerikaner nichts anderes übrig, als mit einem schwachen Dollar die Exporte der US-Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Pro-Kopf-Verschuldung

Viele Experten halten es ebenfalls für ein realistisches Szenario, dass die Krise der amerikanischen Wirtschaft noch weitere zwei bis drei Jahre anhalten könnte. Wie kaum eine andere Ökonomie ist die amerikanische Volkswirtschaft vom privaten Konsum der Verbraucher abhängig. Doch viele von ihnen sind seit Jahren maßlos überschuldet und könnten auf lange Zeit als Konsument ausfallen. Erste Ansätze ließen sich im schlechten Weihnachtsgeschäft 2008 in den USA beobachten. Statt wie gewohnt zu konsumieren, hielten sich viele Verbraucher zurück, um ihr Geld für schlechtere Zeiten aufzusparen.

Die bisherigen Frühindikatoren, Indizes und die überschuldeten amerikanischen Verbraucher sprechen in diesem, von der NordLB entwickeltem Szenario, eher für einen starken Euro. Die Euro-Teilnehmerländer stehen wirtschaftlich besser da und würden beim nächsten konjunkturellen Aufschwung am meisten profitieren und sich zügig erholen. Die Analysten der Bank können sich die Vereinigten Staaten nur schwer als Exportnation vorstellen. Der private Konsum bleibt die treibende Kraft der amerikanischen Wirtschaft und der Export wird kaum das gleiche Niveau erreichen, um die Ökonomie nachhaltig zu stützen. Mit Spannung erwarten die NordLB-Banker, wann die Federal Reserve vom Krisenmanagement wieder zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren und wieder Zinsen erheben wird. Bei einem gleichbleibenden unterschiedlichen Zinsniveau in Europa und den Vereinigten Staaten, gehen die Forex-Experten von einem mittelfristig stabilen Wechselkurs von 1,40 Dollar pro Euro aus.

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