Tagesarchiv für den 19. November 2008
Trotz des Anstiegs der allgemeinen Risikofreude aller Anleger, Spekulanten und Zentralbanken und der Senkung des allgemeinen Satzes für Kredite, die von Interbanken bezogen werden können, entbrannte nach der Rede des Notenbankchefs Ben Bernanke ein Rennen rund um den US-Dollar. Viele Unternehmen sind nämlich derzeit fast dazu gezwungen den US-Dollar zu kaufen. Dies liegt hauptsächlich an den innerbetrieblichen Anforderungen jedes einzelnen Unternehmens. Auch fiel in den Vereinigten Staaten von Amerika der Zinssatz für Tagesgeld auf ein Rekordtief. Demnach senkte die Federal Reserve den Basiszinssatz auf einundhalb Prozent. Natürlich ist für den immensen Auftrieb des US-Dollars auch die Rede des Ben Bernanke verantwortlich. In seiner Rede wies Bernanke auf die unumgängliche Pflicht hin, die US-Wirtschaft durch Konjunkturprogramme wieder erstarken zu lassen. Analysten und Spezialisten zufolge könnte ein weiteres Konjunkturprogramm nicht nur positive Auswirkungen mit sich bringen, sondern sich auch nachhaltig schlecht auf die amerikanische Wirtschaft auswirken. Zwar könne der Druck auf die herrschende Währungspolitik durch neue Programme gemindert werden, was mehr Verkäufe und potentielle Kurssteigerungen mit sich bringen würde. Aber das immens hohe Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten könnte in ein noch tieferes Loch gezogen werden. Mit anderen Worten: Der Währungspolitik geholfen, könnte das jedoch nachhaltige Schäden für die amerikanische Wirtschaft und ihr Haushaltsdefizit bedeuten. Da die Kreditbedingungen derzeit sehr schwierig sind und oft unerschwingliche Konditionen mit sich bringen, die weltweite Rezession ihren Gang weiter aufnimmt und kein Ende in Sicht ist, ist und bleibt der US-Dollar weiterhin als ein Fels in der Brandung, in welchen es sich nach wie vor zu investieren lohnt. Zudem sind gegenwärtig sehr viele Nationen dabei, ihren eigenen Wirtschaftssystemen durch Finanzspritzen wieder auf die Beine zu helfen, etwa Südkorea. Dadurch sanken die Sätze für Interbankenkredite in der US-Währung abermals und ließen das Interesse an riskanten Anlagen wieder höher steigen, wie es derzeit in den Vereinigten Staaten an der Börse passiert. Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass der US-Dollar zunächst weiterhin seiner Stabilität treu bleibt, auch in Bezug auf das Währungspaar EUR/USD. Zwar steht auch die amerikanische Wirtschaft vor einigen zu lösenden Problemen, doch hält der Dollar weiterhin seinen Erfolgskurs mit kleinen Schwingungen.
19. November 2008
Bisher war es in den USA so, dass die Regulierung in politischer Hinsicht gänzlich unerwünscht war. So konnten Trickser auf den Finanzmärkten der USA ihre Informationsvorteile weidlich ausschöpfen. Dabei waren Warnungen schon im Jahr 1998 ausgesprochen worden – nämlich von Brooksley Born, die zu dieser Zeit als Chefin der Derivate-Aufsicht CFTC ihre Aufgaben wahrnahm. Sie wies schon im Frühjahr des Jahres auf die Risiken aus Swaps, den Finanzkonstruktionen, die sehr komplex gestaltet sind und die Folgen hin. Diese gaben den Hedgefonds und Banken ein Netz in die Hand, das Wetten auf Bö4rsenkurse sowie Währungen und Zinsen möglich machte und dieses über die Kreditwürdigkeit der Schuldner auszubreiten. Borns wurde mit ihren Warnungen aber bereits in den Anfängen der Diskussion abgeblockt, denn es wurde hinterfragt, ob eine Notwendigkeit besteht, schnell expandierende Finanzmärkte zu regulieren. Sie musst sich dabei trotz inzwischen nachvollziehbarer Argumente gegen viele Gegner stellen, die dann durch den Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, den Finanzminister der Clinton-Ära, Rober Rubin – der übrigens heute Verwaltungsratschef der Citigroup ist – und auch den Chef der Börsenaufsicht, Arthur Levitt, gestellt wurden. Gegen den Druck der Gegner veröffentlichte Born ein Thesenpapier, das über die Risiken der Derivatemärkte mit ihren obskuren Möglichkeiten aufklärte – die Wall Street war schockiert, denn angeblich wurde durch die Veröffentlichung Borns die regulatorische Unsicherheit über den prosperierenden Markt gebracht. Die erste weltweite Finanzkrise folgte trotzdem bereits im September 1998, als auf den Finanzmärkten risikoreiche Wetten eingegangen wurde, die durch ein Vielfaches an Kapital auf Kredite eingegangen wurden. Auch hier wurde die Warnung Borns wieder in den Wind geschlagen, die nach ihrer Meinung von den Derivatenmärkten ausgehen und Gefahren für das weltweite Finanzsystem bergen. Aber auch jetzt – in der weltweiten Finanzkrise – blieben die Warnungen Borns fruchtlos. Veränderungen wurden nicht vorgenommen. Die wundersame Wirkung der Deregulierung war in Washington noch immer als Heilmittel bevorzugt. Der SEC-Chef William Donaldson, der eine stärkere Regulierung im Bereich Hedgefonds vorantreiben wollte, wurde dann in der Bush-Ära im Amt abgelöst. Aber war die Selbstregulierung vor dem Hintergrund der ersten Finanzkrise nicht doch ein unkontrollierbarer Irrglaube, der den Akteuren am Devisenmarkt die Einschätzung der Risiken selbst in die Hände legte? Teileinblicke in Derivate durch die US-Aufsichtsbehörden ließen Risiken viel zu spät deutlich werden – wird auch heutiger Sicht inmitten der nächsten Finanzkrise argumentiert. Verbriefter Schrott konnte ohne weitere Kontrollen weltweit an Investoren verkauft werden, da sich Investmentbanken durch ihre Lobbyarbeit der starken Kontrolle der SEC entziehen konnten. Dass Born heute bestätigt ist, hilft nur noch wenig in der aktuellen Situation. Der größte Versicherungskonzern weltweit, die AIG, ist diesen Fehlentscheidungen und dem Ignorieren von mehrfachen Warnungen nun bereits zum Opfer gefallen und auch andere Institutionen geraten ins Wanken und der Katzenjammer ist nun groß. Inzwischen ist auch der SEC-Chef Christopher Cox überzeugt, dass eine freiwillige Regulierung ein riskantes Spiel ist und die Folge der Erkenntnis ist eine Flut von vielen neuen Spielregeln in den Finanzmärkten – die schon vor zehn Jahren hätten durchgesetzt werden können.
19. November 2008
Für die Spekulanten stehen jetzt nicht nur die oft stark wechselnden Kurse im Forex Trading im Blickfeld. Wer sich die Mühe macht und die Auswirkungen der Finanzkrise einmal auf positive Aspekte untersucht, der findet an einigen Stellen Dinge, die beim Sparen helfen. Das setzt Mittel frei, die man anschließend im Forex Trading kräftig mehren kann. Ursache dessen ist, dass überall von einer sich bereits zeigenden Rezession gesprochen wird. So bleibt den Unternehmen der Wirtschaft nichts anderes übrig, als sich ihre Kundenkreise über einen knallharten Preiskampf zu sichern. Am deutlichsten zeigte sich das in den letzten drei Wochen bei den ausgewiesenen Kraftstoffkosten an den Zapfsäulen. Dort wirkte sich für den Endverbraucher günstig aus, dass weltweit die industrielle Nachfrage nach Erdöl gesunken war. Auch die Senkungen der Förderquoten durch die OPEC konnten daran nicht wirklich etwas ändern. Nachdem auch der Einzelhandel mit Blick auf die aktuellen Umsatzzahlen Einbrüche befürchten musste, wurden größere Preisreduzierungen im Lebensmittelbereich angekündigt. Da die Kosten für Nahrungsmittel einen großen Teil des Haushaltsbudgets in den Familien ausmachen, werden auch hier Mittel eingespart, aus denen man zum Beispiel über das Forex Trading Folgegewinne ziehen könnte. Auch bei den Banken dürfte der Kampf um jeden einzelnen Kunden mittelfristig positive Aspekte für die Verbraucher bringen. Durch die Folgen der Finanzkrise haben sich die Kreditkosten ziemlich verteuert, doch man kann davon ausgehen, dass die Geldinstitute die Kreditzinsen sehr schnell wieder absenken müssen, wenn sie nicht riskieren wollen, dass die Nachfrage sinkt. Im Moment ist der Bedarf in der Wirtschaft sehr groß, doch auch auf die Privatkunden können die Banken nicht verzichten, wenn sie ihre wirtschaftliche Stabilität wiedererlangen wollen. Sie setzen große Hoffnungen darauf, dass durch die überall steigenden Mietpreise vor allem für kleinere Wohnungen viele Menschen sich zum Kauf von Wohneigentum als preisgünstige Alternative entscheiden. Diese Strategie geht aber nur auf, wenn die Rahmenbedingungen für die dafür notwendigen Finanzierungen stimmen.
19. November 2008
Offene Immobilienfonds – sind die eigentlich inzwischen problembelastet oder als Anlageform wirklich empfehlenswert. Die Branche behauptet jedenfalls letzteres – aber sind diese Versicherungen glaubhaft für Anleger? Auch hier kracht es mächtig im Gebälk, wenn man Fachleuten Glauben schenkt. Verunsicherte Anleger steigen aus den Fonds aus, Immobilienpreise sinken und Bauvorhaben, die bereits projektiert wurden, werden kurzfristig noch abgesagt. Während in der Vergangenheit von Deutschen sehr gern in Immobilienfonds investiert wurde, weil Wohn- oder Gewerbeimmobilien als sichere Geldanlage galten, ist hier auch eine Verunsicherung der Anleger entstanden. Handfeste Gebäude als Investitionsobjekte haben gegenüber teilweise windigen Zertifikaten in Papierform inzwischen auch an Sicherheit deutlich verloren. Waren bisher rund 80 Milliarden Euro an Geldanlagen in Immobilien investiert, findet auch hier nun ein Rückzug statt. Lohnt sich die Investition in die Immobilie überhaupt noch und sind Sparkassen für die bisher als solide geltende Geldanlage überhaupt noch geeignet? Und: Sind dir prognostizierten Gewinne überhaupt noch haltbar, bedenkt man, dass in den USA die Immobilienpreise auch in den Keller gefallen sind? Ende Oktober sind bereits innerhalb von fünft Tagen von 36 Offenen Immobilienfonds ein Drittel, also zwölf, kurzfristig geschlossen worden und somit wurden 30 Milliarden Euro in Form der Kundengelder eingefroren. Somit können diese Kunden zugunsten der Sicherung ihrer Gelder kurzfristig nicht mehr an ihre Anlagen herangelangen. Die Argumentation seitens der Fachleute lautet, dass somit verhindert wird, dass die Anleger verunsichert sind und ihre Gelder wieder abziehen, um sie dann traditionell im Sparkonto oder aber sogar unter der heimischen Matratze zu lagern. Die Pforten zum Anlagegeld werden also geschlossen, um die Gebäude nicht kurzfristig verflüssigen zu müssen, damit Anleger ihre Gelder abziehen können. Das ist zwar die Wahrheit, aber Kritiker gehen einen Schritt weiter und argumentieren diese These als die halbe Wahrheit, denn die Finanzkrise gehe schließlich weltweit um und so sind auch Hotspots in London, Paris oder New York von dieser Krise betroffen. Die Projektentwickler möchten somit bereits designte Gebäude erstellen, scheitern aber daran, dass Generalunternehmer die Baudurchführung nicht mehr übernehmen könne, weil die Banken keine Kredite mehr auf Immobilienerstellung gewähren, weil an den eigenen Gelder wieder mehr gehangen wird und auch die hauseigenen Risikokontrolleure sich dem Misstrauen der eigenen Bank ausgesetzt fühlen müssen. Mietgarantien – sind die im Rahmen der Finanzkrise überhaupt noch etwas wert? So lautet die interne Argumentation der Kreditgeber und Prüfungen verlaufen gerade in diesem Bereich somit strenger denn je ab. Insolvente Mieter können heute schnell durch den eigenen Insolvenzverwalter aus der Garantie herausgepaukt werden – das ist auch den Banken im Zusammenhang mit den Mietgarantien sehr wohl bewusst. Nackten Mietern kann eben nicht mehr in die Tasche gelangt werden und somit sind Mietgarantien dann nur noch das Papier wert, auf dem sie seinerzeit verfasst wurden. Ist der Mieter weiterhin solvent und auch in der Lage, die Zahlungen zu leisten, so muss er sich spätestens nach Auslaufen des Vertrages mit dem Problem der Neuverhandlung beschäftigen und so wird die Fonds-Kalkulation dann schnell zu einem Kartenhaus, das in sich zusammenfällt. Auch wenn diese Argumentation insgesamt schlicht gehalten ist und die Realität in diesem Bereich sehr viel komplexer ist, kann doch gesagt werden, dass dort, wo weniger Geld vorhanden ist, auch eben weniger angelegt werden kann. Vermögensverwalter gehen also dazu über, ihren Kunden, die fünf bis zehn Jahre auf die Einlage zu verzichten, in guten Fonds zu verbleiben. Wer allerdings heute aktuell in einen Fonds einsteigen möchte und eine gute Verzinsung in etwa zwei bis drei Jahren erwartet, sollte die Finger von den Offenen Immobilienfonds eher fernhalten – so die Faustregel einiger Fachleute.
19. November 2008