Tagesarchiv für den 05. Dezember 2008
Die Europäische Zentralbank hat dem Druck der Märkte nun nachgegeben. Eine Senkung des Leitzins war die Folge und die brachte dann 75 Basispunkte Rücknahme mit sich. So hat der Euro dann seinen Zinsvorteil gegenüber den anderen Währungen wohl verspielt? Aber das ist längst nicht alles, was dem Euro zur Zeit eine möglicherweise langfristige Durststrecke bescheren könnte.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet ist zur Zeit eher sorgengebeutelt. Die Zinssenkung in der Rezession ist eine her logische Folge und weiterhin ist der Euro dann noch einer Gefahr durch die nun stetig größer werdende Kluft zwischen den einzelnen Staaten innerhalb der Euro Zone ausgesetzt.
Die eher überraschende Leitzinssenkung um insgesamt 75 Basispunkte und damit auf einen Zinssatz von 2,5 Prozent hat gleichzeitig noch den Druck erhöht, der auf der Gemeinschaftswährung derzeit ohnehin lastet. Auch wenn sicher der Kurs des Euro trotz Zinsentscheidung insgesamt stabil hielt und sogar im Verlauf des gestrigen Tages auf 1,27 Dollar anstieg – wird der Euro in den folgenden Monaten gegenüber dem US-Dollar wohl ins Hintertreffen geraten?
Der Devisenmarkt spaltet sich damit in der aktuell eher schwierigen Situation in deutliche zwei Lager. Die ergeben dann zum einen sowohl den US-Dollar als auch den Japanischen Yen, die in der Finanzkrise insgesamt sehr gut zulegen konnten. Da ist es dann aber auch die andere Seite, und die sieht klare Verlierer der Krise vor. Zu denen gehören dann sowohl das Britische Pfund als auch der Euro. Während der Euro dann im Frühling zu seiner echten Hoch-Zeit 1,60 Dollar kostete, musste er im Verlauf des Jahres gegenüber dem Dollar eine Einbuße von 20 Prozent verkraften. Und gegenüber dem Yen steht der Euro dann auch nicht mehr wirklich gut da – eine Verbilligung von 170 auf 120 Yen für einen Euro ist schließlich kein positiver Verlauf für den Euro.
Ein kleiner Lichtblick ergab sich für den Euro lediglich zum Ende der Woche hin, nämlich dem Hoch gegenüber dem Britischen Pfund, das dann 0,87 Pfund für einen Euro brachte.
Aber insgesamt ist keine positive Tendenz an den Devisenmärkten zu verzeichnen und alle Turbulenzen – die gerade an den Aktienbörsen stattfinden – bringen da auch keine guten Aussichten für den Euro mit sich.
Experten sehen sogar noch mehr Nachteile aus den wirtschaftlichen Entwicklungen, denn viele Investoren haben sich insgesamt aus dem Devisengeschäft zurückgezogen. Das liegt wohl nicht zuletzt an der benötigten Liquidität, die im Rahmen der Finanzkrise nur gewährleistet werden muss. Hier müssen dann wohl einige Verluste ausgeglichen werden mit dem zuvor investierten Geld?
Und dann müssen die Währungen wohl tendenziell in den nächsten Monaten mit niedrigen Zinsen arbeiten und die wichtigen Zinsdifferenzen fallen eher aus. Wo aber bleibt dann noch die Basis für die Währungsspekulation? Der sogenannte Carry Trade wird darunter wohl am meisten leiden, denn der wird nach Meinung von Experten eher zum Erliegen gelangen. Hier ist es nämlich so dass der Investor sich dann in einer Währung mit niedrigem Zins verschuldet, um dann eben in Währungen mit hohem Zinssatz zu investieren. Wie aber, ohne große Zinsdifferenzen?
05. Dezember 2008
Die Citigroup wurde irgendwie an die Leine genommen. Die US-Regierung hat Hilfspakete aktiviert und damit der Citigroup wieder auf die Beine zu helfen versucht. Aber was hat das eigentlich für Folgen für die Bank – und dann auch vielleicht für deren Wettbewerb?
Die Rettungsaktionen der Finanzinstitute in New York gehören inzwischen schon fast zu den alltäglichen Nachrichten und niemand ist mehr wirklich verwundert – trotzdem aber wohl beunruhigt. Und besonders in Investoren am Devisenmarkt fragen sich dann berechtigt, was nun aus der Citigroup als weltgrößtem Bankkonzern nun wird.
In der Geschichte der zahlreichen Rettungsaktionen nach Notrufen in den USA befindet sich ja nun auch die Citigroup, die durch die US-Regierung gerettet wurde, indem die USA dann in das Institut als bisher größter Einzelaktionär eingestiegen ist und somit Geld in den Konzern gepumpt hat. Aber – auch wenn der unmittelbare Kollaps des Geldriesen damit erst einmal verhindert wurde – ist das Problem jetzt vom Tisch oder steht doch noch eine Zerschlagung des Konzerns oder gar der Verkauf einiger Teile dessen aus? Sind die Probleme wirklich vom Tisch?
Durch die starke Unterstützung der Citigroup wurde diese stark gestärkt – und darunter könnte der Wettbewerb dann wohl noch längere Zeit zu leiden haben. Das sehen jedenfalls Beobachter des Marktes wohl eher so.
Der triumphale Einzug des Staates in die Citi begann wohl schon etwas eher als wir bisher annahmen. Denn schon im Oktober wurde das Privatkundengeschäft Deutschland von der Crédit Mutuel gekauft. Alle US-Banken bekamen dann im Oktober eine Finanzspritze in Höhe von 125 Milliarden und die Citigroup erhielt 25 Milliarden, weil Finanzminister Paulson nämlich seinerzeit Vorzugsaktien der Citi gekauft hat. Und da sind die weiteren 20 Milliarden, die dann noch einmal zwecks Vermeidung des Zusammenbruchs, die dann in die Citibank eingepumpt wurden, schon relativer zu betrachten – aber eben medienträchtiger gewesen.
Neben der finanzielle Spritze hat der Staat dann auch noch Garantien für sogenannte toxische Papiere übernommen, die dann eben wie eine Krankheit die Bilanzen und damit den allgemeinen Zustand der Bank weiter verschlechtern. Damit werden dann exzessive Verluste durch Abschreibungen bei Wertpapieren und Darlehen, die auf die auch schlagzeilenträchtigen Wohn- und Gewerbeimmobilien ausgerichtet sind und auch verbundene Kreditderivate in aktueller Höhe von 306 Milliarden Dollar staatlicher Sicherung unterstellt.
Macht die Citigroup jetzt weiter Verluste, sind die ersten 29 Milliarden Dollar aus eigener Tasche zu entrichten – die restlichen Verluste trägt der Staat dann in einer Höhe von 90 Prozent und damit kann die Citigroup dann ihre Maximalverluste dann wohl optimal übersichtlich verwalten?
Durch sofortige Finanzspritzen in Höhe von dann insgesamt 45 Milliarden Dollar und dem staatlichen Anteil von acht Prozent am Kapital ist die USA damit größter Miteigentümer im Finanzkonzern, der seit dem Sommer 2007 – dem Beginn der Finanzkrise – dann eine Schrumpfung von 90 Prozent erlitten hat.
Die Citigroup erkennt die Konsequenzen wohl deutlich. Auch wenn bisher nicht davon ausgegangen werden kann, dass vom US-Finanzministerium nun ein Vertreter in den Aufsichtsrat entsandt wird, kann davon ausgegangen werden, dass die Entlohnung des Staates für diese umfangreiche Rettungsaktion üppig ausfallen wird. So ist klar, dass jeweils für die ersten 25 Milliarden Dollar die Steuer im Zeitraum von fünf Jahren eine Dividende von fünf Prozent kassiert – nach den fünf Jahren steigt die dann auf neun Prozent. Den zweiten Zuschuss bezahlt die Citigroup mit acht Prozent – von Anfang an. Und so ist es dann eine Überweisung von jährlich 3,4 Milliarden, die die Citigroup nun mindestens tätigen muss.
Dazu kommt, dass diese finanzielle Belastung die Citigroup für Privatinvestoren nicht gerade attraktiv wirken lässt. Ohne Zustimmung des Finanzministeriums darf die Group nämlich keine höhere Dividende als einen Cent je Quartal überweisen.
Da ist dann wohl ein straffes Sanierungsprogramm fällig – und wer zweifelt dann, dass in dem Zusammenhang dann auch Köpfe rollen werden?
05. Dezember 2008
Nicht nur die Forex Broker sind etwas erstaunt, denn die Europäische Zentralbank beschloss gestern eine Senkung der Leitzinsen um immerhin 0,75 Prozent. Damit wurden die Erwartungen der Finanzexperten deutlich übertroffen, die von einem halben Prozent ausgegangen waren.
Auch die Zentralbanken der Länder reagierten mit deutlichen Zinssenkungen auf die anlaufende Wirtschaftskrise. Nachdem die Vereinigten Staaten den Leitzins bereits bis auf ein Prozent gesenkt hatten, zog jetzt die Bank von England nach und beschloss eine Zinssenkung auf zwei Prozent. Auch die schwedische Zentralbank entschloss sich zu einem Zinsniveau von zwei Prozent.
Diese Entscheidungen sorgten für etwas Wirbel im Forex Trading. Nachdem sich der Euro am Donnerstag Nachmittag leicht erholen konnte, startete er auch am Freitag früh mit leichten Gewinnen in den Forex Handel. Doch der Auftrieb hielt nicht lange an. Schon kurz nach Handelsstart an der Frankfurter Börse hatte er den im Forex Trading eroberten Boden wieder eingebüßt. Interessant wird es gegen Mittag, denn da werden in Deutschland wichtige Daten aus der Wirtschaft veröffentlicht. Dabei geht es sowohl um die Auftragseingänge in der Industrie, die wertvolle Hinweise zur weiteren Entwicklung liefern, als auch um die Produktionszahlen des herstellenden Gewerbes. Schon kurz vor Börsenöffnung in Frankfurt schauten die Forex Broker neugierig auf die Zahlen aus dem Dienstleistungsbereich und die Statistiken aus der Rohstahlproduktion.
Zu den morgendlichen Verlierern gehörte am Freitag auch der Dollar, der einen heftigen Preiskampf mit dem Yen ausfechten musste und dabei dem entsprechenden Chart eine Abwärtskurve bescherte.
05. Dezember 2008