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Der Handel an den Devisenmärkten ist unter Privatanlegern nahezu immer mit dem Einsatz einer mehr oder minder großen Hebelwirkung verbunden. Je nach Anbieter können Trader dabei das bis zu 100fache ihres Kapitals bewegen. Eine komplizierte Kreditaufnahme ist dabei nicht notwendig: Der Hebel wird durch das Margin-Prinzip hinterlegt, bei dem Anleger nur einen geringen Prozentsatz ihrer Position in Form von Kontoguthaben bei ihrem Market Maker hinterlegen müssen. Verlangt die Plattform einen Margin-Satz in Höhe von einem Prozent, können Trader mit 10.000 Euro Einsatz Positionen im Gegenwert von einer Million Euro bewegen.

Der Einstieg in den Markt mit einer Hebelwirkung bietet immense Profitchancen: Ein 100facher Hebel ermöglicht die Verdopplung des eingesetzten Kapitals, wenn sich der Markt um nur ein Prozent in die gewünschte Richtung bewegt. Die Gewinnpotenziale stehen freilich entsprechenden Risiken gegenüber: Gibt der Markt um ein Prozent nach, müssen Trader einen Totalverlust ihrer eingesetzten Mittel verkraften. Weiterhin gilt es, die Verzinsung der nicht durch Eigenmittel gedeckten Bestandteile der Position zu berücksichtigen: IM Forex-Markt müssen Trader dabei vereinfacht dargestellt die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen, die gehandelt werden, bezahlen bzw. sie bekommen diese gutgeschrieben. Bei der ABN Amro Bank gilt für Nutzer der Marketindex-Plattform, dass der Kunde immer dann ein Zinsen entrichten muss, wenn die Verkaufswährung einen höheren Zinssatz aufweist als die Kaufwährung.

Die Nutzung eines Hebels hat unmittelbare Auswirkungen auf das Risiko- und Moneymanagement und erfordert höchstmögliche Disziplin bei dessen Umsetzung. Herkömmliche Instrumente, wie z.B. technische Indikatoren, die auch im Aktienmarkt zum Einsatz kommen, können oft in der Standardversion nicht genutzt werden, da der maximale Verlust aufgrund des Hebeleinsatzes große Teile des Vermögens vernichten würde. Die Bestimmung von Stopp-Loss-Levels anhand technischer Kriterien eines Marktes, wie beispielsweise Widerständen oder bedeutenden Trendlinien, ist mit einem großen Hebel nicht möglich, wenn die entsprechenden Kursniveaus nur minimal vom Marktniveau entfernt sind. Je größer der Hebel ist, desto geringer fällt auch die Marktbewegung aus, die der Investor verkraften kann, bis eine Schließung der Position unabdingbar ist.

Ein einfaches Rechenbeispiel soll die Problematik verdeutlichen: Hat ein Investor den maximalen Positionsverlust auf (offensive) fünf Prozent seines Kontovolumens definiert und kommt im Handel ein 100facher Hebel zum Einsatz, darf der Markt um lediglich 0,05 Prozent „gegen“ den Trader laufen – dann muss die Position zwangsweise glattgestellt werden. Der Spielraum, der unter Berücksichtigung des Spreads anfällt, ist dabei außerordentlich gering und beläuft sich auf nur wenige Pips.

So attraktiv der Handel mit Hebel ist, so riskant ist er auch. Zwar unterliegen die Devisenmärkte in der Regel betragsmäßig deutlich geringeren Schwankungen als es bei Aktien oder Rohstoffen der Fall ist. Die Wahrscheinlichkeit, ausgestoppt zu werden, ist allerdings bemerkenswert hoch.

Die Risiken des Hebeleinsatzes sind allerdings nicht neu und keinesfalls vorbehaltlos negativ zu beurteilen: Sie stehen entsprechenden Chancen gegenüber, die außerordentliche Gewinne in kurzer Zeit und mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz ermöglichen. Trader, die es schaffen, an einem mittelfristigen Trend über einige Wochen zu partizipieren, können ihren Einsatz vervielfältigen und mehrere hundert Prozent Gewinn erwirtschaften. Chancen und Risiken halten sich demnach -wie zumindest theoretisch immer an den Finanzmärkten – die Waage.