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Die Antizipation kommender Kursbewegungen ist auch im Devisenhandel der Kern des Bestrebens eines jeden Traders. Wie bei der Spekulation mit anderen Anlageklassen finden dabei auch im Forexmarkt zwei wesentliche Analyseansätze Anwendung: Die fundamentale Analyse untersucht gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge und betrachtet den Zinsmarkt, die Inflations- und Geldmengenentwicklung sowie die Zustände im Außenhandel und versucht anhand verschiedener daraus abgeleiteter Indikatoren, künftige Wechselkursverhältnisse vorherzusagen.

Die Technische Analyse betrachtet auch im Devisenmarkt ausschließlich die Kurse der Vergangenheit als probates Mittel zur Kursprognose. Wesentliches Charakteristikum des technischen Ansatzes ist dabei, dass er in jedem Markt identisch funktioniert. Diejenigen Werkzeuge, die im Aktien- und Rentenhandel zum Einsatz kommen, finden demnach auch beim Devisentrading Beachtung. Im Folgenden sowie in weiteren Beiträgen sollen grundlegende Konzepte der Technischen Marktanalyse skizziert werden, deren Kenntnis von empirisch nachweisbarem Vorteil ist.

Die Trendlinie – wohin läuft der Markt?

Die Klassifizierung eines Trends gehört zu den wichtigsten Bestandteilen bei der Suche nach aussichtsreichen Anlagemöglichkeiten. Trends können an Märkten drei Gesichter zeigen: Aufwärts, abwärts und seitwärts. Die Identifizierung des vorherrschenden Trends bildet die Ausgangbasis sämtlicher weiterer Überlegungen. Ein Aufwärtstrend definiert sich dabei durch eine Folge von Hochs, die über ihren vorangegangenen Höhen notieren und gleichzeitig einer Folge von Tiefs, die über den ihnen vorangegangenen liegen. Trends können dabei in verschiedenen Zeithorizonten einen unterschiedlichen Status annehmen, ohne sich zu widersprechen: Ein kurzfristiger Abwärtstrend kann beispielsweise die Korrektur in einem längerfristigen und damit übergeordneten Aufwärtstrend darstellen.

Um einen Trend zu identifizieren, bedienen sich Chartisten optischer Werkzeuge, die in jeder handelsüblichen Trading-Software vorhanden sind und auch von den meisten Handelsplattformen standardmäßig kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Trendlinie ist denn auch eines der wichtigsten Hilfsmittel zur Identifizierung vorherrschender Marktkräfte und der Verfassung eines Währungsverhältnisses allgemein. Eine Trendlinie wird bei einem Aufwärtstrend entlang den Tiefs gezeichnet und sollte derer mindestens zwei berühren. Je mehr Tiefs entlang einer Trendlinie befindlich sind, desto aussagekräftiger ist der zugehörige Trend erfahrungsgemäß.
Der Grund für die große Bedeutung von Trends im Trading liegt in der empirisch bestätigten Annahme, dass einmal eingeschlagene Marktimpulse dazu tendieren, sich weiter fortzusetzen und somit die Möglichkeit bieten, den Einstieg in den Markt mit einer höheren Trefferquote zu vollziehen und demnach das Handelsergebnis zu verbessern. Ein Trend gilt erst dann als gebrochen, wenn er definitiv beendet ist.

Eine passable Strategie ist es, eine Longposition in einem Markt dann zu eröffnen, wenn sich der Kurs nahe der Trendlinie befindet. Setzt sich der Trend fort, sind Kursanstiege von diesem Niveau aus zu erwarten. Die Verlustbegrenzung kann dabei wahlweise durch ein Stopp Loss kurz unterhalb der Trendlinie erfolgen oder aber durch einen Stopp unter dem vorangegangenen Tief. Bei letzterer Variante sollte in jedem Fall das maximale Verlustrisiko berücksichtigt werden.
Wird der Ausstieg vollständig über den Trend definiert, muss in jedem Fall beachtet werden, dass die Trendlinie aufwärts verläuft und das Stopp-Loss im Zeitverlauf nachgezogen werden muss. Der Ausstieg erfolgt in diesem Fall auch dann, wenn kein Verlust realisiert wird und der Kurs lediglich seitwärts aus dem Aufwärtstrend hinausläuft.

Trends bieten eine passable Möglichkeit, in aussichtsreiche Marktsituationen zu investieren und sind auch für Anfänger relativ leicht zu identifizieren. Nicht umsonst lautet ein bekanntes Börsianer-Sprichwort: „The Trend is your friend“.

Widerstand und Unterstützung

Die Auffassung der Marktteilnehmer im Hinblick auf ein bestimmtes Kursniveau hat Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Marktes. Ganz wesentliche Bedeutung kommt in der Technischen Analyse deshalb Widerstands- und Unterstützungszonen zu. Ein Widerstand ist definiert als ein Kursniveau, an dem ein aufwärts gerichteter Markt mindestens zweimal umgekehrt ist. Unterstützungszonen stellen dementsprechend Kurslevel dar, die einen abwärts verlaufenden Markt gestoppt haben.
Ein Widerstand stellt für einen Aufwärtstrend eine Barriere dar, die nur durch einen starken Impuls durchbrochen werden kann. Fallende Kurse in der Nähe eines Widerstands sind demnach wahrscheinlicher als steigenden Notierungen. Durchbricht der Markt allerdings das kritische Niveau, deutet dies auf einen Nachfrageüberhang und damit weiter ansteigende Notierungen hin.

Eine mögliche Vorgehensweise im aktiven Handel stellt somit der Kauf von Kursen dar, die einen Widerstand durchbrochen haben. Viele Investmentsignale werden auf Grundlage eines solchen Ereignisses generiert, weshalb Kritiker Widerstände gerne als sich selbsterfüllende Prophezeiung brandmarken und ihre tatsächliche Aussagekraft anzweifeln. Chartisten sehen dies allerdings anders.

Im Bereich kritischer Widerstandmarken ist ein gewisses Maß an Opportunismus oft der Schlüssel zum Erfolg: Läuft der Kurs auf den Widerstand zu, wird eine Shortposition eröffnet, die mit einem Stopp-Loss etwas oberhalb des Widerstands abgesichert wird. Die Stopp-Order wird dann mit dem doppelten Volumen der Shortposition aufgegeben, wodurch sich die Position bei Durchbrechen des Widerstands in einen Longposition wandelt.

Unterstützungen verstehen sich als das Spiegelbild von Widerständen und sollten dementsprechend gehandhabt werden.

Die Erfahrung zeigt, dass Widerstände und Unterstützungen nützliche Hilfsmittel bei der Bewertung eines Marktes darstellen. Überschätzen sollten Trader die Signifikanz der Kurslevel allerdings nicht- zu oft erfolgt ein belangloser Durchbruch ohne Aussagekraft.