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Aktive CFD und Forex Trader stützen sich bei ihren täglichen Handelsentscheidungen immer häufiger auf regelbasierte Signalgenerierung und überlassen einem Handelssystem die Entscheidung darüber, ob in einen bestimmten Markt eingestiegen wird oder nicht. Die Systeme sollten – sofern sie gut konzipiert und valide getestet sind und korrekt angewandt werden – auf Dauer Profite erwirtschaften. Diese aber können sich deutlich reduzieren, wenn eine der wesentlichen Triebkräfte des Marktes verrückt spielt: Die Volatilität ist eine Variable, die bei der Erstellung von Handelssystemen nach wie vor vernachlässigt wird. In Zeiten unruhigen Fahrwassers erweisen sich viele sonst erfolgversprechende Handelsansätze als Nieten: Ausbruchsysteme beispielsweise erzeugen in Zeiten, in denen die Schwankungsintensität der Märkte deutlich von ihrem historischen Durchschnitt (nach oben) abweicht, viele Fehlsignale. Trendfolgesysteme sind in volatilen Marktphasen ebenfalls nur bedingt geeignet: Übergeordnete und zeitlich längerfristig existierende Trends existieren meist nicht (die Volatilität steigt in der Regel eben genau dann an, wenn eine längere Haussephase zu Ende geht und die Kurse einbrechen) und kurzfristige Trend sind schwer zu handeln, weil sich der Markt oft mehrfach binnen eines Handelstages dreht.

Bei der Konzeption eines Handelssystems kann es deshalb sinnvoll sein, die Volatilität als Filter zu nutzen. So kann beispielsweise definiert werden, dass ab einem bestimmten Volatilitätsniveau keine Positionen mehr neu eröffnet werden. Bestehende Positionen werden mit Trailing-Stopps ausgestattet und so das gebundene Kontovolumen sukzessive reduziert. Die Erfahrung lehrt, dass eine solche Vorgehensweise sinnvoll sein kann. Die Trefferquote nahezu aller Handelssysteme sinkt in turbulenten Zeiten signifikant. Die Crash-Serie im Jahr 2008, die im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise die Märkte durchzog, verdeutlichte, dass Widerstände und Unterstützungen in Extremsituationen deutlich weniger Aussagekraft haben als unter normalen Umständen. Es kann sich somit lohnen, die Aktivitäten in Zeiten hoher Volatilität einzustellen und auf bessere Zeiten zu warten.

In der professionellen Vermögensverwaltung existieren bereits derartige Ansätze. Einige Fonds stellen alle ihre Positionen glatt, wenn die Volatilität deutlich ansteigt und ein kritisches, exakt definiertes Niveau übersteigt. Zwar besteht dabei prinzipiell das Risiko, Verluste zu erleiden: V-Formationen etwa, die durch einen plötzlichen und starken Kursverlust, der sehr zeitnah wieder aufgeholt wird, gekennzeichnet sind, bergen ein entsprechendes Risiko. In den meisten Konstellationen, in denen die Schwankungsintensität eines Marktes deutlich ansteigt, indiziert sie nur eine länger andauernde Phase fallender oder zumindest nicht weit steigender Kurse.

Ein Blick auf die Kursentwicklung der großen Leitindizes in den vergangenen zehn Jahren zeigt: Der größte Teil der Kursgewinne, die in Hausse-Phasen erzielt wurden, erfolgte im Rahmen längerfristiger und geringer Volatilität gekennzeichneter Aufwärtstrends. Stieg die Volatilität schnell und stark an, geschah dies meist im Rahmen deutlicher Kursrückgänge. Was liegt also näher, als die „Vola“ nicht nur als Barometer für das Nervenkostüm der Marktteilnehmer zu betrachten, sondern auch als Indikator für bevorstehende schlechte Zeiten zu verwenden. Die Chance, einen erheblichen Teil der Kursverluste, die in einem Bärenmarkt verzeichnet werden, nicht mitzumachen, ist groß und überwiegt das Risiko, vorzeitig auszusteigen und einen Teil der Hausse zu verpassen deutlich. Zumal auch ein Ausstiegskriterium, dass sich auf die Schwankungsintensität gründet, mit einem Wiedereinstiegs-Regelwerk ausgestattet werden kann: Wird das Hoch, von dem aus die volatilitätsauslösende Bewegung nach unten ausging, in einem Umfeld geringerer Schwankungsintensität wieder überschritten, erfolgt der Einstieg. Die Differenz im Kursgewinn insgesamt fällt bei einer solchen Vorgehensweise gering aus. Soll aus steuerlichen Gründen keine Glattstellung von z.B. Positionen im Aktienmarkt erfolgen, kann dies durch eine Glattstellung des Marktrisikos – zu realisieren durch den simplen Erwerb eines Short-ETFs – umgangen werden.

Was in der Vermögensverwaltung einen vielversprechenden Ansatz darstellt, kann auch auf Handelssysteme angewandt werden. Freilich sind diejenigen Ansätze, die von turbulenten Marktphasen leben, für derartige Überlegungen ungeeignet. Im Handel mit CFDs und Devisen aber, wo regelmäßig sehr große Finanzhebel zum Einsatz kommen, erscheint es sinnvoll, in unruhiger See einen sicheren Hafen anzulaufen. Wer mit viel Fremdkapital arbeitet, ist besonders auf eine hohe Trefferquote angewiesen. Der geneigte Beobachter darf deshalb gespannt sein, was sich die Systementwicklungs-Branche einfallen lässt: Die Finanzkrise dürfte die Nachfrage Volatilitätsfiltern verstärkt haben.